Erstellt von Waldemar Binder |

beim VfB Gartenstadt

Bericht im Mannheimer Morgen

Fußball Gartenstadt zieht sein Verbandsliga-Team aus finanziellen Gründen zurück / Sportchef Geyer und Trainer Brandenburger gehen

VfB stürzt in ein tiefes Tal

MANNHEIM.Es geht ganz offenbar nicht mehr: Der VfB Gartenstadt meldet seine Fußball-Verbandsligamannschaft aus finanziellen Gründen vom Spielbetrieb ab. Das bestätigte am Dienstag Joachim Ningel, der Vorsitzende der Gelben Bären, dieser Redaktion. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr stand der VfB als Meister noch unmittelbar vor dem Aufstieg in die Oberliga. Nach langen Gesprächen entschied sich der Vorstand dann aber gegen den Sprung nach oben.

Ningels Stimme war am Dienstagmorgen anzuhören, dass ihm die jüngste Entwicklung auch persönlich zusetzt. „Das alles tut mir von Herzen weh, daran werde ich noch eine ganze Weile zu knabbern haben“, sagt der Clubchef. „Leider musste ich diese Entscheidung so treffen. Ich bin seit fast 14 Jahren Vorsitzender beim VfB – glauben Sie mir: Das ist die härteste Entscheidung, die ich bislang fällen musste.“

Finanziell könne sich der VfB Gartenstadt die Verbandsliga einfach nicht mehr leisten, sagte Ningel und erklärte die Hintergründe. „Im Winter ist ein ganz wichtiger Sponsor zum SV Waldhof gewechselt, und dann haben überraschend weitere Gönner aufgehört. Wir hatten schon mit weniger Einnahmen geplant, dann kam allerdings auch noch Corona hinzu. Uns fehlen deshalb jetzt einfach die finanziellen Mittel für ein Verbandsligateam“, erläutert der VfB-Vorsitzende „Das ist leider nicht mehr zu stemmen. Besser die Entscheidung fällt jetzt. So haben Trainer und Spieler noch die Chance, zu anderen Vereinen zu gehen. Ich bin ja froh, dass wir vor einem Jahr nicht in die Oberliga aufgestiegen sind. Was da nun los wäre – das will ich mir nicht ausdenken.“

Neuanfang in der Landesliga?

Der Clubvorsitzende will in Kürze mit dem Verband sprechen. Sein Plan? Am liebsten wäre Ningel, wenn der VfB schon zu Beginn der Runde 2020/2021 als erster Verbandsligaabsteiger feststehen würde, um dann in der Saison darauf vielleicht wieder einen Neuanfang in der Landesliga oder eben in der Kreisliga zu wagen. Ningel bleibt aber vorsichtig: „Man muss sehen, ob das überhaupt möglich ist.“

Die zweite Mannschaft, die in der Kreisliga spielt, soll den Spielbetrieb in der kommenden Runde fortsetzen. „Auch in der Jugend soll es auf jeden Fall weitergehen“, sagt Ningel, der als Vereinschef eigentlich kürzer treten möchte. „Die Gerüchte, dass ich bei der nächsten Jahreshauptversammlung am 26. Juni ganz zurücktrete, stimmen aber nicht. Es ist angedacht, dass jemand das Amt des Vorsitzenden bald übernimmt. Aber bis dahin – und gerade jetzt – mache ich für den Verein weiter“, erklärt er und sagt: „Der VfB wird nicht untergehen, aber er muss sich eben anders aufstellen.“

Für Thomas Geyer, den Sportlichen Leiter des VfB Gartenstadt, war die Nachricht am Montagabend natürlich ein Schock. „Wir wurden vom Vorstand im gemeinsamen Gespräch informiert. Die Planungen mit den Spielern für die neue Runde waren schon abgeschlossen. Und dann kam das. Eine sehr traurige Sache“, erklärt er und macht klar: „Wir standen bei den Spielern im Wort. Als verkündet wurde, dass der VfB die Verbandsligamannschaft abmelden würde, war für mich und Trainer Peter Brandenburger klar, dass unsere Tätigkeit hier beendet ist.“

Geyer ist nach eigener Aussage „Ur-Gartenstädter“ und sagt deshalb: „Das tut weh. Vor allem hatten wir im Verein vor einigen Jahren – ich war ja auch Trainer hier – einen Plan, und der lautete: Wir wollen uns in der Landesliga etablieren. Das war damals schon das Höchste der Gefühle. Doch plötzlich kamen einige Leute, die von der Oberliga träumten. Und nun steht der Club eben in der aktuellen Situation.“ Geyer gibt zu: „Das komplette letzte Jahr war stressig. Das war zum Teil kein Hobby mehr. Wir wussten, dass es finanziell eng werden würde, aber dass es jetzt so kommt, hat uns doch arg überrascht.“

„Ein ganz harter Schlag“

Coach Brandenburger muss den Schlag ebenfalls erst verdauen. „Als ich am Montagabend nach der Sitzung zu Hause war, hatte ich schon zehn Anrufe auf meinem Handy. Alle wollten wissen, was los ist.“ Er selbst ist natürlich ebenfalls schwer getroffen. „Wenige Tage vor dem Ende der Transferperiode ist das für die Neuzugänge und alle Spieler ein ganz harter Schlag. Ich hoffe, die Jungs kommen noch alle unter“, sagt Brandenburger. „Der Etat für das Team war schon am Minimum. Zu Beginn der Sitzung stand die Richtung noch nicht ganz fest. Dann wollten Thomas Geyer und ich aber eine endgültige Entscheidung. Der Rest ist Geschichte.“

Brandenburger selbst hat noch keinen neuen Club. „Das ist alles noch viel zu frisch – mal schauen, was sich alles noch so ergibt.“

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 17.06.2020

 

Bericht im MetropolJournal

VfB Gartenstadt - Zahlungsunfähig, aber nicht insolvent

Die Nachricht, die am Dienstagmorgen die Runde machte, sorgte im Mannheimer Fußball für erheblichen Wirbel: Der VfB Gartenstadt ist zahlungsunfähig.

Die Gelben Bären haben sich in den letzten Jahren kontinuierlich entwickelt und waren bis in die Verbandsliga aufgestiegen, wurden dort Meister und hätten in die Oberliga aufsteigen können, verzichteten aber darauf – nicht zuletzt aus finanziellen Gründen.
In der aktuellen Saison flossen einige Sponsorengelder weniger, sodass zunächst der Etat der ersten Mannschaft für die kommende Saison radikal gekürzt werden musste, ehe sich jetzt herausstellte, dass die Verbandsliga in der kommenden Saison finanziell überhaupt nicht gestemmt werden kann. Den Spielern musste mitgeteilt werden dass sie sich andere Vereine suchen können. Bitter für Trainer Peter Brandenburger und den Sportlichen Leiter, Thomas Geier, denen somit die Arbeitsbasis entzogen war. Bitter auch deshalb, weil gerade dieses Gespann für ehrliche und solide Arbeit steht und bekannt dafür ist, auch vor schwierigen Situationen nicht zu kapitulieren.

„Die Corona-Krise hat uns schwerer getroffen, als wir es erwartet haben“, erklärt Vereinschef Joachim Ningel die prekäre Situation. „Wir hatten dadurch keine Zuschauereinnahmen und auch die Einnahmen aus unserer Vereinsgaststätte fielen komplett weg. Dann mussten wir unser Sommerfest absagen, aus dem wir einen Großteil unseres Budgets generierten und zusätzlich werden uns die Einnahmen aus dem traditionellen Spiel gegen den SV Waldhof – vor Saisonbeginn – fehlen. Das war einfach zu viel. Alle diese Einnahmen fehlen für die kommende Saison.“

Joachim Ningel stellt aber auch klar: „Wir können die Verbandsliga in der kommenden Saison nicht stemmen, aber der VfB Gartenstadt ist nicht insolvent, wie das von vielen zunächst verstanden wurde. Wir werden in der laufenden Saison kein Spiel mehr bestreiten und stehen dann als erster Absteiger aus der Verbandsliga fest. Wie es mit der ersten Mannschaft in der Saison 2020/21 weitergeht, muss noch geklärt werden. Sicher ist aber, dass der Spielbetrieb der zweiten Mannschaft und in der Jugendabteilung ganz normal weitergeht.“

Joachim Ningel selbst möchte sich als 1. Vorsitzender des VfB Gartenstadt zurückziehen, da ein möglicher Nachfolger für den Vereinsvorsitz von einem Engagement aber kurzfristig abgesehen hat, wird Ningel sein Amt bis zum Ende des laufenden Jahres noch weiter ausüben. „Aber dann soll endgültig Schluss sein“, sagt er.

Dem VfB Gartenstadt, ohne Zweifel ein Aushängeschild im Mannheimer Fußball, wäre es zu wünschen, dass bis zu diesem Zeitpunkt ein Kandidat für die Vereinsführung gefunden ist.

 

Bericht im Sport-Kurier Mannheim

"Wir können uns den Spielbetrieb in der Verbandsliga nicht leisten" ++ VfB Gartenstadt Vorstand Joachim Ningel nimmt Bezug auf die Krise beim VfB Gartenstadt

sport-kurier. Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe.

Das Verbandsliga-Spitzenteam des VfB Gartenstadt wird sich aus der Verbandsliga Nordbaden zurückziehen. Trainer Peter Brandenburger und der Sportliche Leiter Thomas Geier traten mit sofortiger Wirkung zurück.

Die Spieler des VfB werden nun größtenteils versuchen im ersten und zweiten Transferfenster der neuen Spielzeit 2020/2021 noch bei anderen Clubs unterzukommen (wir berichteten).

Wir haben uns mit Vorstand Joachim Ningel, der seit 16 Jahren 1. Vorsitzender des Clubs ist und insgesamt auf 50 Jahre Vereinszugehörigkeit blicken kann, unterhalten.

Hallo Herr Ningel, die gestrigen Meldungen haben nicht wenige schockiert. Vll. können Sie "etwas Licht ins Dunkel bringen". Wieso diese plötzliche Maßnahme, die der Verein nun durchführt?

Joachim Ningel: Mir ist bewusst, dass diese Entscheidung zu spät gefallen ist, das muss man sich vorwerfen lassen. Aber man hofft immer noch, dass sich etwas zum Positiven wendet. Leider war dies nicht der Fall. Die Mannschaft in der Verbandsliga ist schlichtweg nicht finanzierbar, da das Geld hierfür nicht da ist.

Aber das weiß man doch nicht erst seit gestern?

Ningel: Das ist richtig. Meine Amtszeit als Vorstand wäre eigentlich beendet, aber mangels Kandidaten in der Nachfolge, habe ich noch den 1. Vorsitz. Wir hatten ja am 12.6.2020 einen neuen Vorstand wählen wollen, aber der vermeintliche Kandidat hat es dann doch abgelehnt zur Wahl anzutreten. Ich persönlich wollte vor dieser HV am 12.6.2020 keine Entscheidung in dieser Hinsicht treffen, jetzt war es aber 5 vor 12 und es war erforderlich. Das dies für viele eine große Enttäuschung ist, das ist mir bewusst. Ich musste aber jetzt im Sinne des Gesamtvereins handeln.

Woran lag es, dass der Meister der Verbandsliga Nordbaden 2018/2019 in solch finanzielle Schwierigkeiten rutschte?

Ningel: Uns sind schon ab Herbst 2019, dann auch Ende des letzten Jahres einige sehr gute Werbepartner/Sponsoren weggebrochen, die sich eben im Verein nicht mehr engagieren. Auch der Rückzug von Raimund Disch, der über viele Jahre am Aufschwung des VfB einen großen Anteil hatte, war für uns ein herber Verlust. Dann kam die Corona-Krise, die die Schließung der Vereinsgaststätte mit sich brachte. Keine Zuschauer- und Cateringeinnahmen, Jugendturniere und auch das Vorbereitungsspiel gegen Waldhof Mannheim, die ausfallen werden usw. Das im gesamten ließ uns auch in der mittelfristigen Planung an unsere Grenzen stoßen. Das Geld für eine Verbandsligarunde 2020/2021 ist einfach nicht da. Und es hätte auch keinen Sinn gemacht die Runde anlaufen zu lassen und später die Vereinbarungen nicht einzuhalten.

Es steht noch im Raum, dass auch der gesamte Verein in Gefahr geraten könnte. Vielleicht sogar eine Löschung aus dem Vereinsregister stattfinden könnte?

Ningel: Nein, das wird nicht der Fall sein. Wir werden den Jugendspielbetrieb aufrechterhalten und auch die Mannschaft in der Kreisliga Mannheim. Wir lassen uns jetzt vom Verband beraten, was zu tun ist, damit wir in der übernächsten Saison ggfs. ein Startrecht in der Landesliga hätten.

Werden die Spieler der 1. Mannschaft den Club ablösefrei verlassen können, oder wird der Verein trotz des Rückzugs aus der Liga bzw. des Nichtantritts in der Verbandsliga auf Ablösen bestehen?

Ningel: Dazu kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen. Wir werden uns da intern besprechen.