Erstellt von Waldemar Binder |

die Dinos vom VfB Gartenstadt

Wer mit Markus Urban oder Valon Muja vom VfB Gartenstadt sprechen will, muss viel Zeit mitbringen, weil es im Grunde schlecht möglich ist, mit dem einen oder dem anderen zu sprechen, sondern nur mit den beiden zusammen.

Markus Urban und Valon Muja sind nicht nur Mannschaftskameraden beim frischgebackenen Meister der Verbandsliga Nordbaden, sie sind auch ziemlich beste Freunde und kennen sich bereits seit frühester Jugend. Sie spielten einst in der A-Jugend des VfB Gartenstadt und wechselten gemeinsam in die A-Jugend des SV Waldhof. Danach trennten sich ihre Wege für eine Weile. Während Markus Urban bereits 2007 wieder auf die Gartenstadt zurückkehrte, kickte Valon Muja zunächst für den FV Brühl und den ATSV Wattenheim, ehe er sich auf Drängen Urbans ebenfalls wieder dem VfB anschloss. Man nimmt ihm sofort ab, wenn er den Grund dafür nennt:  „Ich wollte einfach wieder mit meinem Freund zusammenspielen.“
Das war im Jahr 2010 und seitdem spielen sie wieder zusammen. Damals bildeten sie sogar eine WG, in der auch Valon Mujas Bruder mit ihnen zusammenwohnte.

Es ist in der heutigen Zeit schon eine Seltenheit, wenn ein Fußballer fünf, sechs oder sogar mehr Jahre bei einem Verein spielt. Aber neun Jahre lang, wie Valon Muja und sogar, sage und schreibe, 12 Jahre, wie Markus Urban, das Trikot desselben Vereins zu tragen, das  ist in der Tat ungewöhnlich.

Es ist schon alleine deshalb ungewöhnlich, weil der VfB Gartenstadt in dieser Zeit von der A-Klasse, über die Kreisliga und die Landesliga, bis in die Verbandsliga aufstieg – im gleichen Maß wie sich der Verein sportlich entwickelte, steigerten auch Markus Urban und Valon Muja ihre eigene Leistungsfähigkeit und bewiesen durch die gerade gewonnene Meisterschaft in der Verbandsliga auch noch Oberliga-Reife.

Markus Urban stand bis zur B-Jugend sogar im Tor, obwohl er als Feldspieler in der badischen Auswahl spielte – ein echtes Allround-Talent also. Nachdem er als A-Jugendlicher zum SV Waldhof gewechselt war, spielte er dort später mit der 2. Mannschaft in der Landesliga. Nach einem ausgeheilten Kreuzbandriss wechselte er zum VfB Gartenstadt, der damals der Kreisklasse A spielte, um langsam wieder an seine alte Form heranzukommen. „Beim VfB Gartenstadt habe ich mich sofort wohlgefühlt“, berichtet er. „Das Umfeld, die Zuschauer – da passte einfach alles. Und so ist es hier auch heute noch.“
Es passte, obwohl der VfB Gartenstadt damals im Erich-Schäfer Sportpark noch auf einem Hartplatz spielte. Markus Urban verzieht ein wenig sein Gesicht, wenn er sich daran erinnert. „Oje, der Hartplatz, wenn ich daran noch denke ….“
Er spricht nicht aus, was er denkt, aber man kann es ahnen. Seitdem sind zwölf Jahre vergangen, mit den Aufstiegen in die Kreisliga, 2009, dann in die Landesliga, 2011, und schließlich, vor zwei Jahren, sogar in die Verbandsliga – dem bis jetzt größten Erfolg des 1950 gegründeten VfB Gartenstadt. Da er an allen diesen Aufstiegen beteiligt war, ist Markus Urban „der erfolgreichste Spieler, der je beim VfB Gartenstadt gespielt hat“, wie der 1. Vorsitzende, Joachim Ningel, erklärt.  

Drei Jahre nach Markus Urban stieß Valon Muja zum VfB Gartenstadt, der ein Jahr zuvor in die Kreisliga aufgestiegen war. Mit den Aufstiegen in die Landesliga und zuletzt in die Verbandsliga, steht Valon Muja mit seiner Erfolgsbilanz nur ganz knapp hinter Markus Urban.
Ende des Jahres wird Markus Urban 33 Jahre alt und Valon Muja feierte vor wenigen Wochen seinen 34. Geburtstag. „Damit sind wir die Dinos des VfB Gartenstadt“, sagt der modebewusste, aber keineswegs eitle Valon Muja, der mit seiner Frau ein Fashion- und Beauty-Unternehmen betreibt. Aber ans Aufhören denken sie beide noch nicht.
„Wir haben uns entschieden, noch ein Jahr dranzuhängen“, berichtet Markus Urban, der bei der Autobahnmeisterei der Stadt Mannheim angestellt ist. „Und nach der nächsten Saison hören wir dann zusammen auf. Das haben wir schon beschlossen.“
Dass sie beim VfB Gartenstadt eine Besonderheit darstellen, erleben sie immer wieder bei Auswärtsspielen, wenn Leute, die sie schon lange kennen, fragen: „Was, Ihr spielt immer noch?“ Oder wenn ein langgedienter Schiedsrichter sagt: „Kriegt Ihr denn nicht genug?“

Längst ist es sowohl für Markus Urban als auch für Valon Muja in Ordnung, nicht mehr allzu oft in der Startformation des VfB Gartenstadt aufzulaufen. In der gut besetzten Mannschaft bekommen sie trotzdem genügend Einsatzzeiten, da ihr Trainer weiß, dass er sich auf sie verlassen kann, wenn der Spielstand es erfordert.
Der hochgewachsene Markus Urban ist zweikampfstark, ein guter Kopfballspieler und spielt betont mannschaftsdienlich. Valon Muja dagegen ist dribbelstark, kann den Ball gut halten und Ruhe ins Spiel bringen. Und beide suchen sich im Spiel auch, wie sie einstimmig erklären. „Wenn ich den Ball habe, schaue ich oft nach Markus, weil er durch seine Größe auch sowieso auffällt“, bestätigt Valon Muja. Und Markus Urban ergänzt: „Wenn Valon den Ball hat, weiß ich, wo ich hinlaufen muss, um von ihm angespielt zu werden.“

Inzwischen sind sie bei den Jugendlichen des VfB Gartenstadt zu Vorbildern geworden und es kam auch schon vor, dass ihnen die Kids auf der Straße zurufen. Für die jungen Spieler beim VfB Gartenstadt sind sie mittlerweile auch zu Ansprechpartnern geworden, die bereitwillig und geduldig zuhören. Valon Muja und Markus Urban sind ein Segen für jeden Trainer. Sie sind nach wie vor wertvolle Spieler ihrer Mannschaft, sind trainingsfleißig und somit Vorbild und sie erheben keine überzogene Ansprüche, wie viele „Altstars“, die junge Spieler blockieren. Sie ließen auch schon das eine oder andere Mal einem jüngeren Spieler den Vortritt, wenn eine Auswechselung bevorstand.

Als schönstes Erlebnis ihrer langen Karrieren nennen beide übereinstimmend den Aufstieg von der Kreisliga in die Landesliga, 2011. „Das war der schönste Aufstieg“, erzählt Valon Muja. „Wir waren in der Kreisliga Zweiter geworden und mussten in der Relegation zunächst in Ketsch gegen die SG Mauer spielten und gewannen 3:0. Im entscheidenden zweiten Spiel schlugen wir den FV Sulzfeld 2:0 und stiegen in die Landesliga auf. Das war ein phantastisches Erlebnis."

Als wichtigsten Mann für die Aufwärtsentwicklung beim VfB Gartenstadt, sehen Markus Urban und Valon Muja den bisherigen Sportlichen Leiter, Raimund Disch, an. „Wir sind ihm beide mehr als dankbar für das, was er für den Verein und uns Spieler getan hat“, erklären sie unisono. „Für jeden von uns war er vom ersten Tag an der wichtigste Ansprechpartner und hatte immer ein offenes Ohr.“

Valon Muja fügt hinzu: „Ich nannte ihn immer Papa Raimund und so habe ich ihn auch gesehen. Markus und ich wollten immer nur das Eine: Wir wollten guten Fußball spielen. Das konnten wir beim VfB Gartenstadt über all die Jahre tun. Und auch dafür sind wir dem Verein dankbar.“

Nach der aktiven Karriere können sich beide vorstellen, eine Funktion beim VfB Gartenstadt zu übernehmen. Eigenartigerweise schwebt dabei dem ruhigeren Markus Urban ein Job auf dem Trainingsplatz vor; der temperamentvollere Valon Muja würde eher eine Aufgabe „hinter den Kulissen“ bevorzugen.

Auf jeden Fall scheint es so, als blieben die beiden Unzertrennlichen dem VfB Gartenstadt auch nach dem Ende ihrer Karriere erhalten. Und das wäre für beide Seiten gut.

Quelle: Sportwoche Online