Erstellt von Waldemar Binder |

mit Dirk Jörns

dem Trainer des VfB Gartenstadt, der heute in die Vorbereitung für die Rückrunde in der Verbandsliga Nordbaden startet.

Sportwoche: Herr Jörns, Sie übernahmen in der bereits laufenden den VfB Gartenstadt, nachdem sich der Verein von Reiner Hollich getrennt hatte. Wie schwierig war es für Sie, eine Mannschaft zu übernehmen, die sich nicht kennen?

Dirk Jörns: Es war tatsächlich nicht ganz einfach. Ich kannte zwar einzelne Spieler, wie zum Beispiel Patrick Geissinger, aus unserer gemeinsamen Zeit in Weinheim , oder auch Tim Krohne, Christian Kuhn und Eric Schaaf, aber den VfB Gartenstadt hatte ich zuvor nur einmal spielen gesehen – beim Pokalspiel in Heddesheim. Ich finde es  grundsätzlich schwierig, ein Team zu übernehmen, das man nicht selbst zusammengestellt und mit dem man keine Vorbereitung hatte. Dazu kam, dass der VfB Gartenstadt zum Zeitpunkt  meiner Amtsübernahme auf dem vorletzten Tabellenplatz lag und wir dadurch nicht gerade viel Zeit hatten, um uns aneinander zu gewöhnen und in die Spur zu kommen. Und eine Mannschaft kann noch so gut sein, wenn sie erst einmal am Tabellenende hängt, kann es auch mal sehr kompliziert sein.  

Sportwoche: Trotzdem haben Sie dem VfB Gartenstadt eine Zusage gegeben, obwohl Sie ja, nach eigenen Aussagen, zunächst eine Saison aussetzen wollten.

Dirk Jörns: Ja, das stimmt. Ich wollte mal ein Jahr gar nichts machen und musste mich ehrlich gesagt auch nach meiner Zusage erstmal ein paar Tage an die neue Konstellation gewöhnen. Raimund Disch und die Verantwortlichen haben mich von der Aufgabe  überzeugt und die Situation hat auch kein Zuwarten mehr erlaubt. Zum Glück hat mir die Mannschaft mit dem klaren Heimsieg gegen Schwetzingen den Einstieg einfacher  gemacht, auch ihr Talent sowie die Motivation und Leidenschaft mit der sie arbeitet, macht die Zusammenarbeit für einen Trainer angenehm.   

Sportwoche: Aber inzwischen hat sich die Lage ja deutlich entspannt. Der VfB Gartenstadt steht inzwischen auf Platz 6. Wie erklären Sie sich den Aufschwung?

Dirk Jörns: Der 6. Platz ist wenig aussagekräftig, da es noch einige Nachholspiele in der Liga gibt, bei denen die Mannschaften hinter uns punkten können. Fakt ist aber auch, dass wir aus den letzten 10 Spielen 20 Punkte geholt haben und dabei sehr stabil gewirkt haben. Zudem ist eine fußballerische Entwicklung zu sehen. Positionsspiel, Raumaufteilung, aktive, schnelle Balleroberung, in einigen für mich wichtigen Bereichen ist eine deutliche Entwicklung zu sehen.  Zu Beginn meiner Tätigkeit haben wir versucht es sehr einfach zu halten und sehr diszipliniert in einer guten Ordnung zu agieren.

Sportwoche: Angesichts des Kaders wurde der VfB Gartenstadt vor der Saison von vielen Verbandsliga-Trainern als Geheimfavorit für den Aufstieg in die Oberliga gehandelt. Nach den ersten Spielen musste man allerdings den Abstieg fürchten. Wird nach der letzten Entwicklung das zwischenzeitliche  Ziel – Klassenerhalt – etwas nach oben korrigiert?

Dirk Jörns: Nein. Unser Ziel ist nach wie vor der Klassenerhalt. Jeder der die Tabelle lesen kann und die Qualität der Mannschaften vor uns kennt, weiß, dass es nach oben keine Möglichkeit mehr gibt, der Abstand nach unten, auch vor dem Hintergrund der Nachholspiele, aber sehr gering ist. Wir wollen in erster Linie die positive Entwicklung fortsetzen und daran arbeiten, gut und erfolgreich Fußball zu spielen.

Sportwoche: Herr Jörns, Sie erklärten, dass Sie anfangs versuchten, über Disziplin und Ordnung zum Erfolg zu kommen. Aber inzwischen können Sie auch spielerisch mithalten, wie man zum Beispiel in den Spielen gegen die beiden Führenden in der Tabelle, Germania Friedrichstal und VfR Mannheim sehen konnte.

Dirk Jörns: Natürlich steht perspektivisch über allem, guten Fußball zu spielen.  Aber um vom Tabellenende wegzukommen, war es  kurzfristige wichtig, andere Schwerpunkte zu setzen. Wenn sich dann positive Ergebnisse einstellen und die Spieler wieder mehr Selbstvertrauen haben, nimmt auch die spielerische Qualität sukzessive zu. Gegen Friedrichstal und Mannheim  haben wir sicher unsere besten Saisonspiele  gemacht. Nicht nur wegen des deutlichen 5:1-Sieges war Friedrichstal sehr überzeugend.  Noch mehr beeindruckt war ich allerdings vom Spiel gegen den VfR Mannheim, weil das Niveau insgesamt nochmal deutlich höher war. Das war ein Duell zweier sehr guter Mannschaften, mit unglaublich viel Tempo und Leidenschaft.  Das mitanzusehen hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch aus  der Trainerposition raus.

Sportwoche: Der VfB Gartenstadt hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Nicht nur sportlich, sondern auch was die Infrastruktur angeht. Wie beurteilen Sie hier Ihre Arbeitsbedingungen?

Dirk Jörns: Die Arbeitsbedingungen sind wirklich gut. Die Entwicklung des Vereins ist beeindruckend, sowohl  in allen aktiven Mannschaften als auch in der Jugend. Was für mich aber besonders heraussticht, ist diese Leidenschaft mit der die Leute in diesem Verein arbeiten. Es ist insgesamt ein sehr familiäres, angenehmes  Arbeitsumfeld, in dem es Spaß macht seinen Teil dazu beizutragen.

Sportwoche: Vielen Dank, Herr Jörns. Wir wünschen Ihnen und Ihrer Mannschaft weiterhin viel Erfolg.