Erstellt von Waldemar Binder |

im Mannheimer Morgen

Spiel der Woche Verbandsliga-Tabellenführer trifft gegen Schwetzingen erst fünf Minuten vor Schluss zum erlösenden 1:0

Gartenstadt muss lange warten

Mannheim.Späte Siege sind oft die schönsten Siege. Der VfB Gartenstadt verteidigte seine Tabellenführung in der Verbandsliga Nordbaden. Entschieden wurde das Match zugunsten der „Gelben Bären“ durch das goldene Tor von Fabian Feigenbutz in der 85. Minute gegen lange erfolgreich verteidigende Schwetzinger. „Wir hatten heute zwei Gegner. Neben Schwetzingen war es auch der starke Wind. Da war es für die Mannschaft, die hauptsächlich in Ballbesitz war, gleich doppelt schwer. Aber wir hatten über die komplette Dauer die Überzeugung gehabt, dieses Spiel gewinnen zu können und geduldig auf unsere Chance gewartet“, ordnete Gartenstadts zum Saisonende scheidender Coach Dirk Jörns den Erfolg als besonders wertvoll ein.

Weil die drei Meisterschaftskonkurrenten VfR Mannheim, SV Sandhausen II und Fortuna Heddesheim ihre Spiele ebenfalls gewannen, bleibt es weiter bei einem spannenden Vierkampf um die Meisterschaft und den Relegationsplatz. In der Tabelle führt der VfB mit zwei Punkten Vorsprung vor dem ersten Verfolger VfR Mannheim.

Die erste Halbzeit ist schnell zusammengefasst. Der VfB war mit gefühlt 80 Prozent Ballbesitz bemüht und ständig in der Vorwärtsbewegung, verfing sich aber immer wieder im engmaschigen Abwehrnetz der Gäste. Torchancen besaßen folgerichtig Seltenheitswert. Einige halbe Chancen gelangen dem VfB, stellten aber die Abwehr der Spargelstädter auf dem Kunstrasen vor keine allzu großen Probleme.

Feigenbutz trifft mit etwas Glück

„Es war auch unser Plan, gegen einen für uns solch übermächtigen Gegner heute sehr tief zu stehen“, sah Schwetzingens Trainer Kevin Knödler seine Vorgaben an die Mannschaft lange Zeit zumindest in der Defensive perfekt umgesetzt. Auch nach der Pause hielt das Bollwerk, obwohl der VfB stetig den Druck erhöhte. Nach dem späten Rückstand konnte der SV 98 das Blatt nicht mehr wenden.

Für Knödler war der Sieg des VfB nicht unverdient, nichtsdestotrotz ärgerte ihn die Entstehung des Treffers. „Wir fahren einen eigenen Konter, dann können wir den Pass des VfB auf unsere rechte Abwehrseite nicht verteidigen“, haderte er. Gartenstadts Patrick Fetzer scheiterte mit seinem Schuss, aber der zweite Versuch durch Feigenbutz war von Erfolg gekrönt.

Der Torschütze, der seinem Coach im nächsten Jahr zum Ligakonkurrenten Heddesheim folgen wird, war auch nicht begeistert über die Wetterbedingungen, die die Flugkurven des Balles unberechenbar machten. „Manchmal ist uns auch einfach der letzte Pass nicht gelungen oder es fehlte das Quäntchen Glück. Das hatte ich dann aber bei meinem Tor, als mir der Ball direkt vor die Füße fiel“, strahlte er über das späte Erfolgserlebnis. Dass er für seinen Club bis zum Saisonende alles geben wird, daran lässt er keinen Zweifel. „Wir sind Tabellenführer und das wollen wir auch bis zum Schluss bleiben“, soll der VfB die Nummer Zwei im Mannheimer Fußball bleiben. Auch sein Coach Jörns will am Saisonschluss als Meister gehen und seinem Nachfolger Peter Brandenburger ein gut bestelltes Feld hinterlassen. „Ich scheide hier nicht im Zwist. Aber in den Gesprächen wurde auch deutlich, dass man sich beim VfB nicht sicher ist, ob ein Aufstieg in die Oberliga schon in diesem Jahr nicht ein Schritt zu früh für den Club sein könnte. Der Club wird hier sehr vernünftig und gut geordnet geführt, aber im Hinblick auf den möglichen Aufstieg fehlt hier im Moment noch der letzte Glaube“, hat er festgestellt. Nachfolger Brandenburger, so wird gemunkelt, wird von seinem jetzigen Verein Waldhof II Mittelstürmer Darnell Hill wieder zurück zum VfB bringen.

Von Aufstiegshoffnungen weit entfernt sind indes die abstiegsbedrohten Schwetzinger unter ihrem Coach Knödler und bleiben weiter im Keller. Beim Spiel in Gartenstadt zeigten sie aber weiter ansteigende Form. Der Nachfolger von Gernot Jüllich auf der Trainerbank, der schon in Hoffenheim und auf dem Waldhof im Tor stand, holte fünf Punkte in vier Spielen und glaubt, den Klassenerhalt schaffen zu können. „Aus einer kompakten Defensive können wir mit unserem Spielermaterial schnell in die Offensive umschalten. Auch im heutigen Spiel hat das schon teilweise gut funktioniert“, strahlt Knödler Optimismus aus.

© Mannheimer Morgen, Montag, 11.03.2019